Peinliche Steckbriefe im weltweiten Netz

Der Westen takes a closer look at Spock:

Hagen. Wer sich häufiger im Internet aufhält, der hat es vermutlich schon einmal getan: in der Suchmaschine Google den Namen eines Bekannten eingegeben, um zu sehen, welche Spuren derjenige im Netz hinterlassen hat. Diese Arbeit soll den Nutzern nun eine

Der neue Dienst aus den USA sorgt in Internet-Foren, Zeitungen und Zeitschriften für Aufregung: von einer “Detektei für den Hausgebrauch” und “Schnüffelei” ist in Berichten über die Leute-Suchmaschine die Rede.

Dabei ist bei Spock.com nur das nachzulesen, was ohnehin im Netz steht. Der Dienst durchsucht zum Beispiel Kontaktseiten wie MySpace, Xing oder StudiVZ, um die Informationen dann auf seiner Seite zu bündeln. Der Nutzer spart sich folglich nur, sich durch eine lange Liste von Google-Treffern zu klicken.

100 Millionen Namen lassen sich nach Angaben der US-Betrieber derzeit bereits in Spock.com finden, täglich kommen angeblich Millionen hinzu. Bisher sind es vor allem Namen von Prominenten, bald aber sollen dort auch Steckbriefe über Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher aus Deutschland nachzulesen sein.

Diese Spock-Steckbriefe bestehen oft aus einem kurzen Lebenslauf und Fotos. Hinzu kommen Web-Links sowie eine Reihe von Schlagwörtern, die auf die gesuchte Person angeblich zutreffen. Und diese Informationen kann jeder Spock-Nutzer ergänzen, kann Fotos von anderen hochladen. Oder Schlagwörter hinzufügen, die einen Menschen angeblich charakterisieren. So findet sich der deutsche Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher gemeinsam mit der Sängerin Madonna unter der wenig schmeichelhaften Rubrik “talentless” (ohne Talent).

Auch können die User alle möglichen Web-Seiten mit weiteren Informationen über Dritte hinzufügen. Personalchefs könnten folglich eines Tages auf diesen Seiten jede unbedachte Äußerung finden, die ein Bewerber irgendwann einmal in einem Chat gemacht hat. Oder jedes riskante und obskure Hobby, dem ein Kandidat in seiner Jugend nachgegangen ist. Um den Steckbrief anderer Leute zu ergänzen, genügt nach Auskunft von Johann Bizer vom Datenschutzzentrum Schleswig Holstein, allein die Angabe einer E-Mail-Adresse.

Die Betreiber der Seiten versprechen zwar, üble Nachreden herauszufiltern und Profile auf Wunsch der Betroffenen zu löschen. Doch das kann dauern, bis dahin stehen die Informationen im Netz. Bizer kritisiert, dass die Beweislast umgekehrt werde: Man selbst müsse überprüfen, welche Informationen auf Spock.com stehen.

Eine rechtliche Handhabe hat man außerhalb der EU gegen Portalbetreiber im Ausland nicht, wie Bettina Gayk, Sprecherin der NRW-Datenschutzbeauftragten betont. Auch sei es nahezu unmöglich, die Spuren die man selbst im Internet verbreitet hat, wieder zu löschen, damit sie nicht auf eine Seite wie Spock.com geraten können, erklärt Gayk. Das Problem beim Internet sei, dass es nicht vergesse, warnen beide Datenschützer. “Was man im Gespräch mit der Freundin daher sagt, verflüchtigt sich rasch. Was man aber aus einer Laune heraus in ein Forum schreibt, bleibt dort stehen – und wird eines Tages peinlich”, sagt Gayk.

Bizer fordert daher, dass Dienste wie Spock.com künftig ein Verfallsdatum haben müssen. Spätestens nach zwei bis drei Jahren sollten die Informationen wieder aus dem Netz gelöscht werden, falls der Betreffende nicht ausdrücklich wünscht, dass sie dort bleiben. Umgekehrt müssten Betreiber auch außerhalb der EU verpflichtet werden zu überprüfen, ob die Angaben über eine Person noch immer zutreffen.

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